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In Friedrichshafen segelt fairer Kaffee im Aufwind! Die zwischen Bodensee und Obstplantagen gelegene Messe- und Zeppelinstadt mit knapp 60.000 EinwohnerInnen hat seit dem Jahr 2000 einen eigenen Stadtkaffee: Café Friederico. Mit Einführung des nach ökologischen Kriterien angebauten und fair gehandelten Kaffees hat sich der Umsatz für Kaffee im Weltladen um den Faktor 4 multipliziert. Konsumierten die FriedrichshafenerInnen im Jahr 1999 noch 600 Kilo, so waren es im Jahr 2000 über zwei Tonnen Kaffee aus fairem Handel. Die Idee für den eigenen Stadtkaffee entwickelte 1999 das Bürgerforum Zukunftsfähige Landwirtschaft, eines von insgesamt vier themenbezogenen Foren der Lokalen Agenda. Neben VertreterInnen aus der einheimischen Landwirtschaft, aus dem Amt für Umwelt und Naturschutz und einzelnen Verbänden, waren hier auch der Weltladen und die regionale Fairhandelsorganisation dritte-welt partner GmbH Ravensburg dabei. In weniger als einem Jahr konnte die Idee eines Friedrichshafener Stadtkaffees in die Tat umgesetzt werden. Für Café Friederico wurde ein eigenes Logo entworfen, Werbefaltblätter und Aufkleber wurden gedruckt. Sein Debüt erhielt der Stadtkaffee bei einer Sitzung des Gemeinderates Ende 1999. Doch nicht nur der Gemeinderat engagiert sich vorbildlich für den nachhaltigen Konsum. In vielen Büros der Stadtverwaltung brüht das braune Gold aus Fairem Handel ein Heißgetränk, das allen Beteiligten „schmeckt“.
Neue Käuferschichten erfolgreich angesprochen
Inzwischen kann Café Friederico auch außerhalb des Weltladens erworben werden, zum Beispiel bei Bäckereien, Hofläden und in einem exklusiven Haushaltswarengeschäft mit hochwertigen Kaffeemaschinen. Gern gesehen sind im Friedrichshafener Weltladen insbesondere solche KundInnen wie die Entwicklungsabteilung der Zahnradfabrik (ZF), eine Abteilung des großen Motorenherstellers mtu oder die Flughafen GmbH, die wöchentlich mehrere Kilo im Laden ordern und sie unter ihren Angestellten selbst verteilen. Und darin liegt neben der Umsatzsteigerung auch der große Gewinn von Café Friederico: „Wir haben nun ganz neue Käuferschichten in unserem Laden, eine breite gesellschaftliche Palette an Kundschaft!“ resumiert Markus Boese vom Weltladen die positiven Effekte des Projektes. Der Weltladen hat diese neu erworbene Aufmerksamkeit gleich schwungvoll in die Professionalisierung der eigenen Arbeit gesteckt und so aus seinem Nischendasein heraus gefunden. Inzwischen präsentiert er sich als das Fachgeschäft für den Fairen Handel.
Fairer Kaffee auf dem lokalen Bauernmarkt
Dass Café Friederico nicht ein isoliertes Einzelprodukt darstellt, sondern Teil eines ganzen Konzeptes zur Förderung eines nachhaltigen und gesunden Konsumstils ist, kann seit neuestem jeden Samstag auf dem Friedrichshafener Marktplatz erlebt werden. Am 9. Juni 2001 wurde der Friedrichshafener Bauernmarkt eröffnet, ein weiteres Projekt, das aus dem Bürgerforum Zukunftsfähige Landwirtschaft hervor gegangen ist. Von nun an werden hier wöchentlich Produkte aus der Region angeboten. „Kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher“ heisst das Credo des inzwischen sehr beliebten Marktes. Einzige Ausnahme bildet der Weltladen mit seinen fair gehandelten Produkten. Ausgestattet mit einer Sondergenehmigung tritt er jede Woche als einziger Händler unter den lokalen Direktvermarktern auf dem Erzeugermarkt auf und verkauft Café Friederico und andere ökofaire Produkte am eigenen Stand.
Stadtverwaltung und Weltladen arbeiten Hand in Hand
Was begründet den Erfolg von Café Friederico? Zum Einen ist es die neue, lokal inspirierte Verpackung mit Agenda-Label, die den VerbraucherInnen zeigt, dass Weltmarktstrukturen auch in unserem Alltag stecken und sei es in Friedrichshafen am Bodensee. Allein der Name Café Friederico ermöglicht eine positive Identifikation mit der eigenen Stadt und erschwert zugleich Verdrängungsstrategien, die normalerweise wirksam werden, sobald es um globale Strukturen und Probleme des Südens geht. Daneben waren es die neuen Bündnisse, die durch die Lokale Agenda entstanden sind. Die Kooperation zwischen Stadtverwaltung, dem Oberbürgermeister und dem Weltladen haben ermöglicht, dass Großkonsumenten wie Rathaus, Krankenhaus und Flughafen mit ins Boot geholt werden konnten. Eine Türöffner-Funktion haben dabei die städtischen Agendakoordinatoren im Amt für Umwelt und Naturschutz inne, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit für den Konsum des Stadtkaffees werben. „Ohne sie wären wir an viele Leute gar nicht heran gekommen“, so der Vertreter des Weltladens. Dem Projekt stand ein Budget von 5.000 Euro zur Verfügung. Die Entwicklung der Informationsmaterialien und des Logos kommen nun auch anderen Stadtkaffees zu Gute, denn die Fairhandelsorganisation dritte-welt partner GmbH Ravensburg stellt sie weiteren interessierten Kommunen preisgünstig zur Verfügung.
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