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Eine Karawane für die Rechte von Kindern und Jugendlichen zieht durch Mannheim Mannheim, mit 322.337 EinwohnerInnen zweitgrößte Stadt in Baden-Württemberg, war Schauplatz einer bunten und lebendigen Veranstaltungsreihe. Einen Sommer lang, von Mai bis Juli 2001, zog eine Karawane aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen jedes Wochenende durch insgesamt 14 Mannheimer Stadtteile. Mal waren es 50, mal bis zu 500 Beteiligte, die sich unter das Motto „Kinderrechte sind Menschenrechte“ in den Karawanenzug mit bunten Transparenten, Plakaten, Liedern, Trommeln und Pfeifen einreihten. Ziel der Karawane war es, die Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention bekannt zu machen, insbesondere den Menschen, die Erziehungsaufgaben erfüllen, in deren Nachbarschaft Kinder und Jugendliche leben, die in Politik und Wirtschaft über die Zukunft der Kinder entscheiden und natürlich auch den Kindern und Jugendlichen selbst! Daneben galt es, mit der Karawane die Kinderlobby in Mannheim zu stärken und zu einem toleranteren Klima in den Wohngebieten beizutragen. Damit die Inhalte der Kinderkonvention in der Öffentlichkeit auch wahr genommen werden, einigten sich die InitiatorInnen der Karawane auf drei zentrale Kernforderungen: Kinder und Jugendliche haben das Recht auf • eine gesunde Umwelt! • Spiel und Freizeit im öffentlichen Raum! • Beteiligung!
Die Anliegen der Kinder liegen in den Stadtteilen
In jedem Stadtteil waren die örtlichen Kindergärten, Schulen, Vereine, kirchliche Gruppen und Initiativen engagiert bei der Sache. In die große Schatztruhe, die auf einem Lastenfahrrad durch alle Stadtteile gezogen wurde, konnten die Kinder ihre Wünsche und Forderungen stecken. Auf Transparenten, in kleinen Reden und Liedern brachten sie zum Ausdruck, was ihre Erwartungen an unsere Gesellschaft sind und welches die drängenden Themen ihres Stadtteils. Mit ihrem unverstellten Blick forderten sie mehr Aufmerksamkeit für Zukunftsfragen und die Lösung globaler Probleme. Sie thematisierten die Probleme von Kindern, die auf der Flucht sind, im Krieg leben oder kein Zuhause haben. Bei den ganz konkreten, lokalen Missständen zeigten sie sich als ExpertInnen in eigener Sache und kritisierten fehlende Kindergarten- und Hortplätze, zu kleine Schulhöfe, einen von der Stadt bis zur Unkenntlichkeit verregelten und eingezäunten Skaterplatz, zu schnelle Autos in den Wohngebieten, Müll in den öffentlichen Anlagen, das Fehlen emotionaler Aufmerksamkeit und jemandem, der ihnen zuhört. Oder sie wünschten sich ganz einfach: „Ich will, dass mein Leben so gelebt wird, wie ich will!“ Im multikulturellsten Stadtteil wurden die Forderungen der Kinder sogar auf Deutsch, Türkisch und Italienisch vorgetragen. Dabei ist allerorten die Ernsthaftigkeit zu spüren gewesen, mit der die Kinder auf die eklatanten Missstände hingewiesen haben, denn allen war trotz dem Spaß, den sie hatten, klar: die Karawane ist kein Spiel, sondern eine Demonstration für eine kinder- und menschenfreundliche Zukunft.
Kleine Wünsche ganz groß
Die in der Schatztruhe gesammelten Träume, Wünsche und Forderungen wurden zum 20. September 2001, dem jährlich weltweit stattfindenden Weltkindertag, der Mannheimer Öffentlichkeit vorgestellt. Außerdem wurden sie dem Gemeinderat der Stadt Mannheim und der Kinderkommission des Deutschen Bundestages überreicht. Internationale Beachtung finden dann die Ergebnisse der Mannheimer Karawane auf dem von den Vereinten Nationen veranstalteten Weltkindergipfel, im Mai 2002 in New York. Veranstalter der Karawane war der Mannheimer Arbeitskreis „Kinder in der Stadt“ KiDS e.V., der sich seit 1987 für die Verbesserung der kindlichen Lebenswelt einsetzt, und die Fachstelle Vertretung von Kinderinteressen des Jugendamtes Mannheim. Die Kinderkarawane wurde von offizieller Seite vom Oberbürgermeister und dem Agenda-Büro und dem Jugendamt der Stadt Mannheim unterstützt und durch einen Förderpreis des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs „Konkrete Projekte zur Lokalen Agenda“ finanziell gefördert.
Die Karawane zieht weiter
Ein Jahr nach der Karawane werden die Veranstalter eine Bilanz ziehen und die kleinen Projekte und Ideen der Stadtteile in einem Pflichtenheft niederschreiben, sie in konkrete Empfehlungen und Zuständigkeiten übersetzen und erste Schritte für die Umsetzung einleiten. Begleitend wird weiterhin die Öffentlichkeit über die Existenz von Kinderrechten informiert, in Kinos werden Filme zu Kinderrechten vorgeführt und in einer Wanderausstellung die bunten Plakate mit den Forderungen und Wünschen aus der Karawane gezeigt. Aktionen im Jahr 2003 werden unter dem Themenschwerpunkt „Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Kommunalpolitik“ stehen.
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