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Zum Beispiel: Stuttgart

Dialogwoche Wege zu lokaler Zukunftsfähigkeit mit Stuttgarter Partnerstädten
Die Landeshauptstadt besitzt einen besonderen Schatz: mit zehn Städten weltweit ist Stuttgart in den vergangenen 50 Jahren eine Partnerschaft eingegangen, darunter Metropolen wie Kairo in Ägypten oder Mumbai in Indien. Im April 2001 waren 13 VertreterInnen aus sechs Partnerstädten nach Stuttgart gekommen, der stellvertretende Bürgermeister aus Samara (Russland), der Bürgermeister von El Castillo (Nicaragua), vier VertreterInnen von indischen und einer ägyptischen Nichtregierungsorganisation, der Lokale Agenda Beauftragte von St. Helens (England), ein Dozent der Universität Tuzla (Bosnien) und zwei städtische Vertreterinnen aus Brünn (Tschechische Republik). Sie alle hatten Gelegenheit, eine Woche lang mit VertreterInnen aus den städtischen Ämtern Stuttgarts, des Gemeinderats, der Lokalen Agenda 21 und zahlreicher Initiativen „Wege zu lokaler Zukunftsfähigkeit“ - so das Thema der Dialogwoche - zu beschreiten. Im Mittelpunkt des Austauschs standen ausgewählte kommunale Handlungsfelder mit Agendarelevanz: Müll, Wasser und Partizipation. Drei Tage wurden die Gäste aus den Partnerstädten in einem dichten Besuchsprogramm mit der Situation hier vor Ort vertraut gemacht. Daran schloß sich im Rahmen eines Workshops die Reflexion über Probleme und Verfahren in den Partnerstädten an sowie die Entwicklung gemeinsamer Initiativen für die Zukunft.


Dem Stuttgarter Müll auf der Spur
Durch Exkursionen vor Ort und Gesprächen mit ExpertInnen lernten die Gäste das Stuttgarter Abfallwirtschaftskonzept kennen. Auf dem Programm standen Besuche in der Müllverbrennungsanlage, in einer privatwirtschaftlichen Wertstoffsortieranlage, im Kompostierwerk des Stuttgarter Kooperationspartners Kircheim/Teck, beim städtischen Eigenbetrieb der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) und einem hochmodernen Klärwerk. Eine Straßensammlung von gelben Säcken und die Demonstration der Müllfahrzeuge waren anschauliche Beispiele.
Die vielfältigen Eindrücke lösten dabei ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Bei der Müllverbrennung bewunderte der stellvertretende Bürgermeister aus dem russischen Samara die Verfahrenstechnik. Vertreterinnen aus Indien hingegen sahen diese Weise, den Müll zu entsorgen, eher als fragwürdig an. In ihren Projekten in Mumbai spielt der Gedanke einer möglichst vollständigen und wohnortsnahen Wiederverwertung eine sehr große Rolle. Mehr Anklang fand bei ihnen die Kompostierung biologischer Abfälle verbunden allerdings mit der Frage, ob sich so etwas nicht, wie in Mumbai, auch dezentral organisieren ließe.


Partizipation ist mehr als schmückendes Beiwerk
Parallel zum Programm über Müll und Wasser, machte sich der zweite Teil der BesucherInnen auf, um Methoden, Felder und Erfahrungen von Partizipation kennenzulernen. VertreterInnen des Garten- und Friedhofsamtes stellten den Prozess einer erfolgreichen, partizipativen Schulhofumgestaltung vor. Bei der Akademie für Technikfolgenabschätzung wurden die Möglichkeiten von internetgestützten Abstimmungsverfahren, sogenannter e-democracy, erörtert. Das Stadtplanungsamt gewährte Einblick in die verschiedenen Instrumente der Bürgerbeteiligung bei Planungsverfahren und mit JugendrätInnen konnten die Gäste über die Stuttgarter Jugendparlamente diskutieren. Auch die Carl-Duisberg Gesellschaft und die Kommunalentwicklung GmbH berichteten von ihren Erfahrungen mit Bürgerbeteiligungen bei Lokale Agenda Prozessen. Die Gäste, die in ihren Städten große zivilgesellschaftliche Organisationen repräsentieren, wunderten sich manchesmal über die bei uns eher vermittelte, indirekte und auch komplizierte Art der Partizipation. „Wir verstehen Partizipation in erster Linie politisch“, so Minar Pimple aus Mumbai und dazu gehören auch die Organisation großer Versammlungen und das Erleben einer sozialen Gemeinschaft.


Workshop und öffentliche Abschlussveranstaltung
Im zweitägigen Workshop hatten die Gäste Gelegenheit, ausführlich über ihre Arbeit zu berichten. Daraus entstand der Wunsch aller Beteiligten, den Austausch und Dialog zu verstetigen und auch über Entfernungen und Kulturen hinweg zu praktizieren. Folgende Prtojektideen wurden formuliert:

• Sammlung von best-practice-Beispielen in allen Partnerstädten für das Handlungsfeld Müll und deren Veröffentlichung
• Vernetzung der Akteure aus den Partnerstädten durch den Austausch von ExpertInnen zwischen den Ämtern (in Indien kennt man diese Form des praxisnahen Lernens unter dem Begriff der placements)
• Einrichtung einer Informationsplattform im Internet und Themenchats zum gegenseitigen Austausch über die Aktivitäten der Lokalen Agenda

Eingebettet in ein buntes Kulturprogramm mit Beiträgen aus den Partnerstädten wurden im Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses die Ideen, die in der gemeinsamen Abschlusserklärung „Partnerschaften gestalten Zukunft“ festgehalten sind, der Öffentlichkeit präsentiert.


Gegenseitiges Lernen für und in der Zukunft
Einig waren sich alle TeilnehmerInnen des Städtegipfels, dass es äußerst lohnenswert ist, von anderen Städten zu lernen und den inter-städtischen Dialog auch in anderen kommunalen Handlungsfeldern fortzusetzen. Neben Müll, Wasser und Partizipation bieten viele weitere Themen Ansatzpunkte, um kommunale Entwicklungszusammenarbeit im Sinne der Agenda 21 konkret zu machen.
Die Dialogwoche, die einen einjährigen Planungsvorlauf benötigte, wurde von der Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung (KATE) in Zusammenarbeit mit zahlreichen engagierten städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren organisiert und durchgeführt. Das in Stuttgart ansässige Hilfswerk ‚Brot für die Welt‘, das in vielen Ländern Projekte unterstützt, hat gemeinsam mit der Stadt Stuttgart die Dialogwoche finanziell gefördert.


AWS Abfallwirtschaft Stuttgart
Frau Irene Köberle
Heinrich-Baumann-Str.4
70190 Stuttgart
Tel. 0711/216-5614

KATE Kontaktstelle für Umwelt & Entwicklung
Frau Gabriele Winkler
Blumenstr.19
70182 Stuttgart
Tel. 0711/248397-16
Fax 0711/248397-22
info@kate-stuttgart.org
www.kate-stuttgart.org